Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)
Schwangerschaftsdiabetes kann zu gesundheitlichen Problemen bei der Schwangeren und dem Kind führen. Es ist deshalb wichtig, Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Was ist Schwangerschaftsdiabetes?
Bei manchen Schwangeren entwickelt sich ein während der Schwangerschaft Diabetes (Gestationsdiabetes). Das ist eine Form der Zuckerstoffwechselstörung, die erstmalig während der Schwangerschaft auftritt und sich nach der Geburt in der Regel wieder zurückbildet. Oft verursacht Schwangerschaftsdiabetes zunächst keine oder nur unspezifische Beschwerden, wie vermehrte Müdigkeit, Schwäche oder starker Durst. Auch wenn sich viele Betroffene nicht krank fühlen, kann ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes mit gesundheitlichen Risiken für die Schwangere und das Kind verbunden sein. Eine frühzeitige Diagnose und eine angemessene Behandlung sind daher von großer Bedeutung.
Warum entsteht Schwangerschaftsdiabetes?
In manchen Familien besteht eine genetische Veranlagung für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2. In solchen Fällen ist das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes erhöht. Ein erhöhtes Risiko besteht auch bei Schwangeren ab etwa 35 Jahren. Rauchen kann ebenfalls zur Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes beitragen. Zusätzlich kann eine starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft das Risiko erhöhen, insbesondere wenn häufig zuckerreiche Lebensmittel oder Getränke konsumiert werden und Bewegung im Alltag fehlt.
Wie wirkt sich Schwangerschaftsdiabetes auf die Frau aus?
Während der Schwangerschaft kann Schwangerschaftsdiabetes zu häufigeren Blasenentzündungen und zu Pilzinfektionen der Vagina führen. Auch Bluthochdruck und eine Erkrankung namens Präeklampsie können auftreten. Außerdem kann das Kind durch die Krankheit im Bauch so stark zunehmen, dass es bei der Geburt zu Problemen kommt. Daher wird die Geburt oft frühzeitig eingeleitet, um mögliche negative Auswirkungen bei der Geburt zu vermeiden.
Nach der Geburt kann bei jeder weiteren Schwangerschaft wieder Schwangerschaftsdiabetes entstehen. Und die Frau kann später eine andere Stoffwechselerkrankung (Diabetes Typ 2) bekommen.
Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, wird empfohlen, nach der Geburt besonders auf ihren Lebensstil achten. Durch gesunde Ernährung, Bewegung und Sport kann die Wahrscheinlichkeit, später an einem Diabetes Typ 2 zu erkranken, stark reduziert werden.
Wie wirkt sich Schwangerschaftsdiabetes auf das Kind aus?
Wenn die Erkrankung nicht gut behandelt wird, kann das Kind bei der Geburt ein sehr hohes oder ein sehr niedriges Gewicht haben. Nach der Geburt kann es Unterzuckerung, Problemen beim Atmen oder Neugeborenengelbsucht haben. In weiterer Folge kann es später übergewichtig werden und ebenfalls Diabetes entwickeln. Es ist daher sehr wichtig, die entsprechenden Empfehlungen der Ärztinnen/Ärzte, Diätologinnen/Diätologen oder Hebammen einzuhalten.
Wie kann Schwangerschaftsdiabetes festgestellt werden?
Mit einem Zuckerbelastungstest / oralem Glukosetoleranztest (= oGTT) wird bestimmt, wie schnell bzw. stark der Blutzucker im Blut ansteigt und wieder absinkt. Damit eine Diagnose gestellt werden kann, muss der Wert zu einem bestimmten Zeitpunkt und mit einer bestimmten Methode gemessen werden. Der Test soll daher bei jeder schwangeren Frau zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. Das ist auch im Eltern-Kind-Pass so vorgesehen.
Bei diesem Test wird eine genau abgewogene Menge an Zucker/Glukose in Wasser aufgelöst und in festgelegten Abständen der Blutzucker der Schwangeren gemessen. Damit kann beurteilt werden, wie der Abbau von Blutzucker verhält.
Was kann eine Frau bei Schwangerschaftsdiabetes tun?
Eine ausgewogene Ernährung kann den Blutzuckerwert niedrig halten. Es hilft zum Beispiel, Vollkornbrot statt Weißbrot zu essen und Wasser statt Limonade zu trinken. Eine Diätologin bzw. ein Diätologe kann bei der Umstellung der Ernährung beraten: Diatologinnen.
Weitere Tipps finden Sie außerdem hier: Schwangerschaftsernährung.
Neben einer gesunden Ernährung ist auch Bewegung wichtig. Hier finden Sie die Bewegungsempfehlungen für Schwangere und Frauen nach der Geburt: Sport und Bewegung in der Schwangerschaft.
Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sollen ihren Blutzucker regelmäßig kontrollieren. Dafür gibt es eigene Messgeräte, die mit einer Verordnung seitens einer Ärztin oder eines Arztes besorgt werden können. Bei einer Schulung wird gezeigt und erklärt, wie das genau funktioniert. Weitere Informationen zur Durchführung des Tests finden Sie unter: Gesundheitskasse.
Weitere Informationen zu den Hilfsmitteln finden Sie hier: Zuckertest
Es ist sehr hilfreich, die Blutzuckerwerte aufzuschreiben, etwa in einem Kalender oder in einer Art Tagebuch. Es gibt auch Vorlagen, z.B. hier: Diabetes-Tagebuch
Wenn der Blutzuckerwert trotz gesunder Ernährung und Bewegung zu hoch ist, können Medikamente helfen. Diese enthalten Insulin und werden meist selbst unter die Haut gespritzt. Es gibt verschiedene Formen der Behandlung. Es kann auch sein, dass anstelle von Insulin oder zusätzlich dazu Metformin verordnet wird. Weitere Informationen zur Insulintherapie finden Sie hier: Insulintherapie
Manche Frauen finden die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes sehr belastend. Sie haben Angst, Schuldgefühle oder sind mit der Situation überfordert. Es ist daher auch wichtig, darüber Gespräche zu führen. Auch professionelle Beratung kann hier hilfreich sein. Informationen über Angebote finden Sie z.B. hier: Beratung
Babys, deren Mütter Schwangerschaftsdiabetes in der Schwangerschaft haben, können unterzuckert zur Welt kommen. Gerade für diese Babys ist Kolostrum (auch Vormilch genannt) sehr gesund. Schon vor der Geburt kann diese Art der Muttermilch gesammelt werden. Dazu wird ab der 37./38. Schwangerschaftswoche die Brust massiert und die Milch in Einwegspritzen oder speziellen Beuteln im Tiefkühlschrank aufgehoben. Hebammen und Stillberater:innen können Fragen dazu beantworten und zeigen, wie es geht. Weitere Informationen finden Sie hier: Kolostrum-Gewinnung
Wie geht es nach der Geburt weiter?
Nach der Diagnose Schwangerschaftsdiabetes werden während der restlichen Schwangerschaft häufigere Kontrollen durchgeführt. Auch das Kind wird nach der Geburt intensiver beobachtet. Die Behandlung der Mutter mit Insulin wird nach der Geburt beendet. Der Blutzuckerwert soll aber vorsichtshalber nach 6 bis 12 Wochen überprüft werden.
Wenn bei Ihnen Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wurde, besteht in Ihrem späteren Leben ein erhöhtes Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Mit einem gesunden Lebensstil können Sie dieses Risiko erheblich senken. Sprechen Sie darüber mit einer Ärztin/einem Arzt, einer Diätologin/einem Diätologen oder Ihrer Hebamme. Sie können auch lokale Bewegungsangebote nutzen, um Bewegung und Sport in Ihren Alltag zu integrieren.
Letzte Aktualisierung: 15.09.2026