Rückbildung, Beckenbodengesundheit und sexuelle Gesundheit nach der Geburt
In der ersten Zeit nach der Geburt dreht sich alles um das Baby. Es beginnt ein neuer Alltag mit Kind. Nach der Geburt braucht der Körper Zeit und Ruhe, sich von den Höchstleistun-gen der Schwangerschaft und der Geburt zu erholen. Wann man nach der Geburt wieder Lust auf Sexualität hat, ist sehr unterschiedlich und individuell. Zu bedenken ist, dass Frauen schon innerhalb weniger Wochen nach der Entbindung wieder fruchtbar sein können.
Viele Frauen haben direkt nach der Geburt wenig Interesse an Sex, das ist ganz normal und unter anderem hormonell bedingt. Zum Beispiel kann das Hormon Prolaktin, das für die Milchproduktion verantwortlich ist, die sexuelle Lust hemmen. Außerdem haben Schwangerschaft und Geburt körperliche Höchstleistungen gefordert. Daher ist eine Erholungsphase für Körper und Seele absolut wichtig. Vielleicht muss ein Dammschnitt noch verheilen, oder es schmerzt noch eine Kaiserschnittnarbe. Die Brüste stellen sich auf das Stillen ein und sind oft sehr berührungsempfindlich. Schlafentzug und Erschöpfung können auch eine Rolle spielen. Auch für die Partner:innen steht die Sexualität in dieser besonderen Zeit meist nicht im Vordergrund. Auch sie fühlen sich mitunter erschöpft oder müde, denn das Kind beansprucht die Aufmerksamkeit seiner Eltern rund um die Uhr. Zudem können eventuelle Geburtserlebnisse, die negativ waren, Unsicherheiten auslösen und dazu beitragen, dass die sexuelle Lust geringer ist. Eine gewisse sexuelle Lustlosigkeit in der Zeit nach der Geburt ist daher durchaus normal.
Geschlechtsverkehr nach der Geburt
Es gibt auch keinen genauen, allgemeingültigen Zeitpunkt, wie lange man mit dem Geschlechtsverkehr nach der Geburt warten sollte. Es gibt aber Situationen, in denen Frauen nach der Entbindung auf Geschlechtsverkehr verzichten sollten. Auf keinen Fall darf der Sex nach der Geburt Schmerzen verursachen. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Körper noch Ruhe braucht. Auch nach einer Operation sollten Frauen warten: Eine Bauchgeburt (Kaiserschnitt/Sectio) hinterlässt eine tiefe Wunde. Für die Wundheilung braucht der Körper ausreichend Zeit. Förderlich sind dabei Ruhe, Luft und Wärme, Druck- und Zugentlastung und gute Hygiene. Durch starke Belastungen wird die Narbe strapaziert und kann weniger gut heilen. Das Gleiche gilt für einen Dammriss, der genäht werden musste. Wenn der Damm geschwollen ist, kann das ebenfalls ein Grund sein, mit dem Geschlechtsverkehr zu warten.
Beim Wochenfluss handelt es sich um einen natürlichen Ausfluss aus der Vagina, ausgelöst durch die Wunde, die bei der Geburt entstanden ist: An jener Stelle, an der sich die Plazenta (Mutterkuchen) von der Gebärmutterwand ablöst, entsteht eine Wundfläche, die blutet. Solange der Wochenfluss, also die Blutung, anhält (ca. vier bis sechs Wochen), ist die Gebärmutter (Uterus) sehr anfällig für Infektionen und Keime. Daher sollte in dieser Zeit entweder auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder zumindest ein Kondom verwendet werden. Kondome schützen vor Infektionen. Für den Mann ist der Wochenfluss nicht gefährlich und auch nicht ansteckend.
Beckenbodengesundheit nach der Geburt
Für viele Frauen fühlt sich Sex nach einer Geburt anders an als vorher. Eine Rolle spielt dabei der Beckenboden. Dieser besteht aus Bindegewebe und Muskulatur, die das Becken nach unten abschließen. Er trägt und stützt die inneren Organe und sorgt dafür, dass die Schließmuskeln von Blase und Darm funktionieren. Auch trägt der Beckenboden zu einer lustvollen Sexualität bei.
Viele Frauen bemerken nach der Geburt, dass ihr Beckenboden durch die starke Belastung der Schwangerschaft der Geburt geschwächt ist. Danach sollte langsam und vorsichtig begonnen werden, damit die Muskulatur des Beckenbodens wieder kräftiger werden kann.
Welche Übungen für einen persönlich geeignet sind, kann man mit der Hebamme, der Ärztin/dem Arzt besprechen oder mit physiotherapeutischer Hilfe herausfinden.
Verhütung nach der Geburt
Direkt nach der Geburt ist die Fruchtbarkeit vermindert. Das macht Verhütung aber nicht überflüssig. Die Frage nach einer sicheren Verhütungsmethode sollte nach der Schwangerschaft neu überlegt werden. Nicht jedes Verhütungsmittel ist für die Zeit nach der Geburt geeignet. Gerade in der Stillzeit darf das Verhütungsmittel die Milchproduktion und -qualität nicht beeinflussen und keine schädlichen Auswirkungen auf das Baby haben. Während der Stillzeit sind folgende Verhütungsmethoden möglich:
- Kondom
- Diaphragma
- Minipille
- Spirale
- Hormonimplantat (Verhütungsstäbchen) und
- Dreimonatsspritze.
Lassen Sie sich über die Vor- und Nachteile von Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt beraten!
Hinweis: Beim Stillen wird das Hormon Prolaktin ausgeschüttet. Es ist für die Milchproduktion und für den Milchfluss verantwortlich. Prolaktin verhindert in vielen Fällen den Eisprung sowie den Menstruationszyklus – eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Das heißt, wenn die Frau voll stillt, kann dies den Eisprung verhindern, muss es aber nicht. Stillen ist daher keine Verhütungsmethode! Bei nichtstillenden Frauen tritt ca. sechs Wochen nach der Geburt die erste Menstruationsblutung auf.
Letzte Aktualisierung: 15.09.2026