Eltern-Kind-Pass

Geburtsverletzungen – Dammriss und Dammschnitt

Manchmal können durch eine vaginale Geburt beteiligte Muskel oder Gewebe verletzt werden. Vor allem während der Austrittsphase, kurz vor der Geburt des Kindes, lastet viel Druck auf dem gesamten Beckenboden. Geburt ist eine körperliche Hochleistung.

Verletzungen während der Geburt können am Damm (Gewebe zwischen Vagina und After), Vagina, Vulvalippen, am Muttermund, an der inneren Beckenbodenmuskulatur und an der Klitoris und anderen beteiligten Strukturen auftreten.

Nicht bei jeder Geburt kommt es zu Verletzungen. Geburtsdauer, Geburtsgewicht, Anzahl der Geburten, Veranlagung wie Dehnbarkeit des Gewebes oder Trainingszustand des Beckenbodens spielen eine wichtige Rolle.

Es gibt Dinge, die Sie vor der Geburt tun können, um das Risiko von Verletzungen zu senken. Zum Beispiel ist empfohlen, jeden Tag den Beckenboden für 10 Minuten zu trainieren. Damit werden die Muskeln auf die Belastung vorbereitet. Ab der 34. Schwangerschaftswoche kann das Dammgewebe massiert werden, um es für die bevorstehende Geburt vorzubereiten. 

Es gibt auch verschiedene Positionen während der Geburt, die eingenommen werden können, um den Druck auf den Damm zu verringern (z. B. Vierfüßlerstand oder Seitenlage). 

Die meisten Verletzungen passieren in der letzten Phase der Geburt, wenn das Baby geboren wird. Die Hebamme kann den Damm von außen unterstützen und das Köpfchen bremsen, damit es langsam geboren werden kann. Dabei sollte am besten intuitiv gepresst werden, wenn der Körper es verlangt und nicht zu starker Druck ausgeübt werden. Die Hebamme wird darauf achten, den Damm zu schützen und das Risiko von Verletzungen so gering wie möglich zu halten.

Was ist ein Dammriss?

Der Dammriss (DR) ist die häufigste Geburtsverletzung. Die Verletzungen am Damm werden in der Regel in vier Schweregrade eingeteilt, wobei Grad I der leichteste und Grad IV der schwerste ist. Während Grad I und Grad II sehr häufig vorkommen, kommen Grad III und Grad IV sehr selten vor. Es ist wichtig, alle Verletzungen gut zu versorgen und die Heilung medizinisch zu begleiten.

  • DR I: oberflächliche Verletzung der Damm- und Vaginalhaut
  • DR II: Verletzung der oberflächlichen Beckenbodenmuskulatur. Der Schließmuskel rund um den After ist unverletzt.
  • DR III: Höhergradiger Dammriss: Der Schließmuskel rund um den After ist betroffen.
  • DR IV: Höhergradiger Dammriss: Der Schließmuskel rund um den After und der Enddarm (Rektum) ist betroffen.

In der Regel heilen Geburtsverletzungen sehr gut und haben keine langfristigen Folgen. Nach der Geburt braucht der Körper jedoch ausreichend Zeit und Ruhe, damit die Wunde gut verheilen kann.  Bei einem höhergradigen Dammriss oder zusätzlichen Einschränkungen, die den Beckenboden betreffen, wird eine gezielte Physiotherapie mit Beckenbodenschwerpunkt empfohlen. Auch bei anhaltenden Schmerzen, sollten Sie das mit Ihrer Hebamme, Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten mit Beckenbodenschwerpunkt besprechen.

Was ist ein Dammschnitt (Episiotomie)?

Ein Dammschnitt ist ein kontrollierter Schnitt im Bereich des Damms, der während der Geburt durchgeführt wird. Ein Dammschnitt wird nur durchgeführt, wenn eine bedrohliche Situation für das Kind besteht und die Geburt rasch beendet werden muss. Die Mutter muss diesem Eingriff zustimmen. 

Wie werden Geburtsverletzungen nach der Geburt untersucht und versorgt?

Nach der Geburt untersucht eine Hebamme den Vaginalbereich auf Verletzungen. Bei Schürfungen und oberflächlichen Rissen, die nicht bluten, ist meistens keine Nahtversorgung notwendig. Kleine Verletzungen heilen in der Regel innerhalb weniger Tage.

Wenn Verletzungen bluten oder Wundränder nicht genau aufeinander liegen, sollte die Wunde durch Ihre Hebamme oder Ihre Ärztin oder Ihrem Arzt genäht werden. Für eine schmerzfreie Versorgung wird der betroffene Bereich lokal betäubt. Ein Dammriss Grad III und Grad IV wird operiert.

Was unterstützt die Heilung nach einer Geburtsverletzung?

Nach einer Geburtsverletzung ist es wichtig, dem Körper Erholung zu gönnen. Das ist für die Wundheilung wichtig. Organisieren Sie sich Unterstützung für die Zeit nach der Geburt. Sprechen Sie Schmerzen oder Unwohlsein offen an.

Es wird empfohlen, dass in der ersten Zeit nach der Geburt eine Hebamme den Verlauf der Wundheilung kontrolliert. Sie können sich für das Wochenbett zu Hause eine Hebamme organisieren. Informationen dazu finden Sie auf der Website des österreichischen Hebammengremiums.

Eine Physiotherapie mit Beckenbodenschwerpunkt wird empfohlen, wenn Sie anhaltende Probleme mit Geburtsverletzungen und Beckenbodenproblemen (wie unkontrollierter Harnverlust, Fremdkörpergefühl in der Vagina, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder unkontrollierter Abgang von Winden) haben. Kontakte zu spezialisierten Expertinnen und Experten finden Sie auf der Website der Beckenbodengesellschaft.

Bei Fragen können Sie auch Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt kontaktieren.

Letzte Aktualisierung: 15.09.2026